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Tarraconense / Tarragona

 

Provinzialkonzil; 1424 (24. August – 9. Dezember)

 

Erzbischof Dalmau de Mur i de Cervellò hatte das Konzil für den 16. Juni einberufen, doch trat es tatsächlich erst zum 24. August zusammen. Über die Synode informiert detailliert ein Tagebuch des Kanonikers Dalmau Raset aus Gerona. Außer dem Metropoliten nahmen die Bischöfe Andreu Bertrán von Gerona, Domènec Ram i Lanaja von Lérida, Ot de Montcada von Tortosa, Francesc de Tovia von Urgel und Jordi d’Ornos von Vich teil, wenngleich nicht alle während der ganzen Zeit anwesend waren. Die Bischöfe von Barcelona und Valencia waren durch Prokuratoren vertreten, während aus dem Bereich der exemten Bistümer Elne und Mallorca keine Teilnehmer erschienen waren. Die Zisterzienserabteien Santes Creus und Poblet waren ebenso durch ihre Äbte vertreten wie die Benediktinerabtei S. María de Montserrat. Für das Chorherrenstift S. Pedro de Ager war sein Propst anwesend, für den Merzedarierorden der General Jaime Aymerich. Um die Teilnahme der Äbte der Kirchenprovinz gab es einen Grundsatzstreit über deren Pflicht zur Teilnahme, der damit endete, dass sich der Erzbischof und das Konzil mit ihrer Forderung nach verpflichtender Anwesenheit durchsetzten. Im Verlaufe der Synode nahmen dann 12 weitere Vorsteher verschiedener Klöster an den Beratungen teil. Zu den Teilnehmern des Konzils gehörten noch 11 Vertreter der Kathedralkapitel, insgesamt also zwischen 35 und 40 Personen (ein direktes Verzeichnis oder eine Unterschriftenliste gibt es nicht).

     Das Konzil hatte sich mit dem nach dem Tod Benedikts XIII. (1423) nach wie vor in der Person Clemens’ VIII. bestehenden Schisma auseinanderzusetzen, das durch Alfons V. toleriert und politisch gegen Papst Martin V. genutzt wurde. Dem Konzil gelang es nicht, zwischen Martin V. und dem König zu vermitteln. In langwierigen Verhandlungen mit Alfons, der selbst vorübergehend auf der Synode anwesend war, erreichten die Prälaten lediglich ein vages Verspechen des Königs, das Schisma in Peñíscola zu beenden, mussten aber im Gegenzug ein Subsidium in Höhe von 30.000 fl. bewilligen.

     Neben den Verhandlungen mit dem König hat das Konzil noch Rechtsfälle aus der Kirchenprovinz behandelt und einige Reformkonstitutionen verabschiedet, die freilich im Großen und Ganzen frühere Normen erneuern: 1. Pflicht zu einfacher und standesgemäßer Kleidung des Klerus, 2. Regelmäßige Messzelebration und Kommunionempfang durch die Kleriker, 3. Gegen missbräuchliche Verfügungsgewalt über die Verleihung von Benefizien durch dazu nicht berechtigte Personen, 4. Einrichtung eines Direktoriums zur Regelung der Liturgie des Kathedralkapitels, 5. Einrichtung eines Inventars zu den in den einzelnen Bistümer existierenden Benefizien mit einer alle fünf Jahre durchzuführenden Bestandsaufnahme, 6. Spendung des Bußsakramentes durch die Mendikanten unter Beachtung der dem Ortsordinarius reservierten Fälle, 7. Vorschriften für die beim Chorgebet zu verwendenden liturgischen Gewänder, 8. Forderung, dass Inhaber eines Kanonikates wenigstens die Subdiakonenweihe empfangen haben sollten und 9. Kleriker, die im Auftrage eines Bischofs oder Kapitels an Synoden oder den Versammlungen der Cortes teilnehmen, sollen für die Zeit ihrer Abwesenheit nicht der Einkünfte aus ihrer Pfründe verlustig gehen. Das Konzil schloss am 9. Dezember 1424 ab.

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QQ: Archivo de la Catedral de Gerona, Arm. 10, e, 13 (“Llibre d’en Calzada”), fol. 451r-576r: Dalmatius Raset, Dietario del Concilio de Tarragona 1424; eine spanische Zusammenfassung in: Tejada y Ramiro, vol. 3 (1861) 103-114; die Konstitutionen: Archivo de la Catedral de Barcelona, Cod. 26 (“Libro de la Cadena”), fol. 77v-79v; erster, nicht vollständiger Druck (mit thematischer Ordnung der Konstitutionen): Constitutiones sacrorum Conciliorum Tarraconensium sub Illustro Patre D. D. Hieronymo de Aurea ..., Barcelona 1557; von dort Übernahme in die späteren Sammlungen, vor allem Saenz de Aguirre - Catalani, Collectio maxima, vol. 4, Roma 1694, 472-646.

Lit.: E. Bayerri Bertomeu, Historia de Tortosa y su Comarca, vol. 8, hg. v. P. J. Blanco Trías, Tortosa 1959, 466-470; J. Grohe, Die Synoden im Bereich der Krone Aragón von 1418 bis 1429, Paderborn, etc. 1991 (= KonG.D), 102-165.

 

Grohe, Johannes