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Duisbergense / Duisburg

Reichsynode; 929

 

Für diese Synode ist das Jahr 929 durch den Beginn der Amtszeit Bischof Adalberos (von Metz) gesichert als auch ihr Charakter als Reichsynode mit dem Tagungsort durch die seit 893 belegte Kirche und durch die königliche Pfalz in Duisburg. Nach Hans Wolters Analyse fand die Duisburger Synode auf Betreiben von König Heinrich I. (919-936), möglicherweise sogar in seiner Anwesenheit und unter seinem maßgeblichen Einfluss sowie erstmals auf der rechten Rheinseite statt.

     Was die Teilnehmer angeht, gehen die Vermutungen aus vom Ortsordinarius und Kölner Erzbischof Wichfried (924-953) über seine Suffraganbischöfe aus den Bistümern Lüttich (Richar, 920-945), Utrecht (Balderich 917-975), Münster (Nithard 921-932), Osnabrück (Dodo I., 918-949) und Paderborn (Unwan, 918-935) bis zu den Bischöfen der Trier Kirchenprovinz (Trier: Erzbischof und Erzkanzler Ruotger, 915-931) mit den Suffraganbistümern Metz, Toul (Gosselin 922-962) und Verdun (Bermuinus, 925-939).

     Zu Beginn der Synode wird noch einmal Bezug genommen auf den Fall des misshandelten und verstorbenen Speyerer Bischofs Einhard († 918), bevor dann der Haupttagesordnungspunkt, die Misshandlung des Bischofs Benno von Metz (927-929), anstand. Benno, der geblendet und verstümmelt worden war, so dass er sein Amt nicht mehr ausüben konnte, war zudem noch vertrieben worden. In Duisburg legte er sein Amt in Gegenwart der Bischöfe nieder. Zurückgekehrt ins monastische Leben als “Benno von Einsiedeln“ in der Schweiz, werden heute noch seine Gebeine dort verehrt. Die Duisburger Synode verhängte nicht nur “Acht und Bann über diejenigen, welches dieses Kriminalverbrechen“ gegen Bischof Benno begangen hatten, sondern bestellte auch seinen Nachfolger Adalbero von Metz († 962), der als “Vater der Mönche“ die Klosterreform von Gorze im “Ottonischen Reichskirchensystem“ prägte.

     Neben diesen aktuellen Themen berichten die Tagesordnungspunkte dieser Duisburger “Reichsynode” von weiteren synodalen Standardthemen des Klosterlebens bis hin zu falschen Zeugen und dem Zehnten.

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QQ: G. H. Pertz, in: MGH LL 2, Hannover 1837, 17-18, 551; L. Weiland, in: MGH Const. 1, Hannover 1893, 631-632; E.-D. Hehl, in: MGH Conc. 6/1, Hannover 1987, 90-92

Lit.: Hefele – Leclercq, vol. 4/1, Paris 1911, 752; G. D. Gordini, Duisburg, Concilio di, in: DizCon, vol. 2 (1964) 19; H. Wolter, Die Synoden im Reichsgebiet und in Reichsitalien von 916 bis 1056, Paderborn, etc. 1988 (= KonG.D), 29-30; R. Haas, Die Duisburger Synode vom Jahre 929. Die “erste Reichssynode” im Ruhrgebiet“ – Ein Thema der Religionspädagogik?, in: Das Münster am Hellweg 56 (2003) 235-260; Ders., “Kriminalfälle“ auf der ersten “deutschen” Reichssynode von Duisburg. Ein vergessener “ökumenischer“ Mega-Event der Kulturhauptstadt Ruhr 2010, in: Pastoralblatt 62 (2010) 256-250; Ders., “Kriminalfälle“ auf der ersten christlichen Reichssynode in Duisburg vom Jahre 929, in: Monatshefte für evangelischen Kirchengeschichte des Rheinlandes 60 (2011) 383-394.

 

Haas, Reimund

Juni 2020

 

Empfohlene Zitierweise:

Haas, Reimund, “Duisbergense / Duisburg: Reichsynode; 929" in: Lexikon der Konzilien [Online-Version], Juni 2020; URL: http://www.konziliengeschichte.org/site/de/publikationen/lexikon/database/1208.html