Saturday 20. July 2019
Honorarprofessor Dr. Erich Lamberz von der Aristoteles-Universität Thessaloniki geehrt

Ehrendoktorwürde für Erich Lamberz

Honorarprofessor Dr. Erich Lamberz (Ludwig-Maxiilians-Universität München) ist am 1. Juni 2019 von der Aristoteles-Universität Thessaloniki für seine überragenden wissenschaftlichen Leistungen mit der Ehrendoktorwürde ausgezeichnet worden.

Lamberz war nach Abschluss seines Studiums der Klassischen Philologie und der Philosophie an der Universität Bonn (1963-1970) in den Jahren 1970-1975 am Patriarchalischen Institut für Patristische Studien in Thessaloniki tätig und hat zahlreiche Studien zu den Bibliotheken der Athosklöster veröffentlicht. In den Jahren 1990 bis 2014 hat er im Auftrag der Bayerischen Akademie der Wissenschaften an der kritischen Ausgabe des VII. Ökumenischen Konzils (Nicaenum II) gearbeitet, mit der die 2. Serie der Acta Conciliorum Oecumenicorum ihren Abschluss findet. 2008, 2012 und 2016 konnte er diese monumentale Arbeit vorlegen: Concilium Universale Nicaenum Secundum, Concilii Actiones I-VII, Berlin / New York 2008-2016 (= Acta Conciliorum Oecumenicorum ser II, vol. III, pars I-III).  - Hier eine Besprechung dieser Edition im AHC (I, II und III).

     


Tagung zur Konziliengeschichte in Dresden, 15.-18. September 2020

Konzilien und die Welt der Klöster

Die Internationale Gesellschaft für Konziliengeschichte veranstaltet in Zusammenarbeit mit der Forschungsstelle für Vergleichende Ordensgeschichte an der Universität Dres­den (https://tu-dresden.de/dcpc/fovog) unter Leitung von Prof. Dr. Dr. h.c. Gert Melville in der Zeit vom 15.-18. September 2020 eine Tagung zur Konziliengeschichte mit dem Thema: "Konzilien und die Welt der Klöster". Dabei soll der großen Bedeutung des Mönchtums für die Konzilien des ersten Jahrtausends ebenso Rech­nung getragen werden wie des Beitrags der Ordensgemeinschaften im zweiten Jahrtausend, wo auf den Synoden einzelne Mönche, aber auch innerhalb der Ordensgemeinschaften entstandene theo­logischen Schulen großen Einfluss auf Lehr- und Disziplinardekrete genommen haben. Zu­dem haben sich Konzilien aller Epochen der theologischen Fundierung und disziplinären Ordnung des Ordenslebens angenommen.

Kontaktadressen für Anmeldungen bis zum 1. Sepbember 2019: Prof. Dr. Dr. h.c. Gert Melville, Dresden (gert.melville@t-online.de), Prof. Dr. Thomas Prügl, Wien (thomas.pruegl@ univie.ac.at), Prof. Dr. Johannes Grohe, Rom (grohe@pusc.it)


Bischof Dr. Peter Kohlgraf neuer Vorsitzender

Neuer Vorstand der Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschunge.V.

Die Gesellschaft für Konziliengeschichtsforschung hat auf der Mitgliederversammlung am 2. und 3. Juni 2019 in Mainz einen neuen Vorsitzenden gewählt. Fürst Alois Konstantin zu Löwenstein, der dieses Amt über 20 Jahre ausgeübt hatte, war aus Altersgründen zurückgetreten. Die Gesellschaft dankte dem scheidenden Vorsitzenden für seine engangierte Unterstüzung der Konziliengeschichte in all dieses Jahren. Zum neuen Vorsitzenden wurde der Mainzer Bischof Dr. Peter Kohlgraf gewählt, dem die Gesellschaft für die Bereitschaft dankte, das Anliegen der Konziliengeschichtsforschung mit der charakteristischen Verbindung von historischer Methode und theologisch verantwortlicher Interpretation zu fördern (auf dem Bild Bischof Dr. Kohlgraf mit seinem Vorgänger Fürst Löwenstein sowie Vertretern des Vorstandes und des wissenschaflichen Beirates der Gesellschaft).        


Neuerscheinungen zur Konziliengeschichte

Seit Wahl und Gegenwahl im Jahr 1378 konkurrierten in der westlichen Christenheit zwei Kontrahenten um das Papstamt. Beide fanden jeweils in Teilen Europas Unterstützung, das sich folglich in zwei Gehorsamsbereiche (Obödienzen) spaltete. Über 30 Jahre wurden immer wieder neue Vorschläge zur Lösung dieses Großen Abendländischen Schismas gemacht, doch blieb die Verdopplung des Papsttums bestehen. Erst 1408/1409, als sich Kardinäle beider Seiten von ihren Oberhäuptern lossagten und gemeinsam ein papstloses Konzil in Pisa betrieben, kam es zu einer wesentlichen Veränderung der Fronten.
Der Band beschäftigt sich mit diesem Konzil von Pisa im Jahr 1409 als spezifischem Lösungsversuch für das Schisma. Das Papstschisma begreift er dabei als einen Konflikt konträrer Deutungen, deren Gegeneinander die via concilii sowie das Zustandekommen und die Ausgestaltung des Pisaner Konzils wesentlich beeinflusste. Gegenstand der Arbeit ist damit ein mittelalterliches Problem sowie die Arten und Weisen, wie die Menschen damals versuchten, es zu lösen – mit besonderem Blick auf die via concilii, den Lösungsweg des Konzils. Die Arbeit unternimmt hierzu eine umfassende Analyse der Praxis des Pisanums und vorausgehender Konzilsentwürfe sowie der dabei entwickelten und konfligierenden Deutungen.


Neuerscheinungen zur Konziliengeschichte

Christina Traxler, Firmiter velitis resistere. Die Auseinandersetzung der Wiener Universität mit dem Hussitismus vom Konstanzer Konzil (1414–1418) bis zum Beginn des Basler Konzils (1431–1449), V&R Unipress, Vienna University Press: Göttigen 2019 (= Schriften des Archivs der Universität Wien 27). 547 S. ISBN: 978-3-8471-0976-1.

Die Universität Wien wurde von kirchlichen und weltlichen Autoritäten in Anspruch genommen, um auf theologischem, diplomatischem und kirchenpolitischem Gebiet der Ausbreitung des Hussitismus Einhalt zu gebieten. Christina Traxler untersucht das anti-hussitische Engagement der Universität in den Jahren zwischen den Konzilen von Konstanz und Basel. Im Zentrum stehen die differenzierten Maßnahmen zur Überwachung des Studienablaufs und des akademischen Lebens, die theologische Auseinandersetzung mittels Schriften, Disputationen und im Unterricht, sowie die Rolle von Universitätsprofessoren als Berater für weltliche und kirchliche Autoritäten auf Synoden, Gesandtschaften und bei Hof. Detailliert analysiert sie auch den um 1424 im Umfeld der Wiener Universität zusammengestellten Tractatus contra quattuor articulos Hussitarum, eine der umfang- und einflussreichsten Stellungnahmen gegen die sogenannten Vier Prager Artikel.


Neue Einträge

Lexikon der Konzilien

Provinzialkonzilien von Perth (1201 und 1420)


Neuerscheinungen zur Konziliengeschichte

Federico Tavelli, Las naciones en el Concilio de Constanza: Castilla en el camino a la unidad, Ciudad Autónoma de Buenos Aires: Agape Libros 2018. 562 pp.

Die Konzilien sind im Leben der Kirche stets besonderer Ausdruck ihrer kollegialen Leitungsstruktur gewesen. Zugleich reflektieren sie komplexe historische Phänomene der jeweiligen Zeit. Das Konzil von Konstanz (1414-1418) war da keine Ausnahme. Es versuchte, das 1379 begonnen Schisma zu überwinden und die Einheit der Kirche des Westens wiederzuerlangen. Wegen der besonderen Umstände ihrer Einberufung und ihres Verlaufs sowie der Rolle von Konzilsnationen in den Entscheidungen der Synode, handelt es sich um eine Versammlung sui generis, die auch 600 Jahre nach ihrem Abschluss weiterhin Fragen aufwirft. Die vorliegende Arbeit widmet sich der Einrichtung der fünf Nationen im Konzil (gallicana, anglicana, germanica, italica und hispanica). Die nationeshatten entscheidende Rolle im Verlauf des Constantiense, wobei der Abstimmungsmodus per nationes den traditionellen per capitaersetzte. Die Untersuchung der Rolle von Kastilien innerhalb der Natio Hispanicamacht die Funktionsweise dieser einzigartigen Verfahrensordnung deutlich. Kastiliens Beitrag war von Bedeutung, um die ersehnte Einheit zu erreichen, denn die kastilische Gesandtschaft trat dezidiert als Anwalt der Ansprüche Papst Benedikts XIII., ds Papstes der avignonesischen Obedienz auf, konnte aber nicht vom Konzil in der Reichsstadt Konstanz ausgeschlossen werden, wenn man das Schisma endgültig überwinden wollte. Die späte Eingliederung der Natio Hispanicain das Konzil von Konstanz und die ernsten Konfrontationen, die bei der Ankunft der Gesandtschaften, die sie bildeten, auftraten, gefährdeten mitunter den Erfolg des Konzils.


http://www.konziliengeschichte.org/